Von Herzen sprechen

 

Meine Lippen zittern, alle können es sehen, ich kann meine Unsicherheit nicht verstecken. Vor mir eine Gruppe Menschen mit denen ich meine berufliche Vision teilen soll. Ich ringe nach Worten, muss immer wieder pausieren. Das was ich sage, bewegt mich. Es berührt mich darüber zu sprechen. Keine Spur von Souveränität oder Sicherheit.

 

Meine Präsentation ist zu Ende. Ich gehe zurück auf meinem Platz. Es ist merkwürdig. Da ist keine Scham. Ich spüre Zufriedenheit, nicht weil es perfekt war, sondern weil es echt war. Und vielleicht war es aus diesem Grund auch irgendwie perfekt. Perfekt unsicher. Ich bekomme Feedback und merke, es hat auch die Zuhörer berührt. Ein schönes Gefühl.

 

So ist es mir vor ein paar Monaten im Rahmen eines Lehrgangs ergangen. Ich merke immer wieder, wie groß die Unsicherheit ist über das zu sprechen, was uns wirklich am Herzen liegt. Ich merke aber auch, dass diese Momente eine besondere Qualität und Kraft haben. Man bewegt sich auf unsicherem Terrain, weiß nicht was die nächsten Worte sein werden, es gibt keine einstudierten Phrasen, in Wahrheit weiß ich in solchen Momenten nicht mal so genau wer spricht.

 

Ist das auch im beruflichen Umfeld möglich?

 

Können wir uns auch dort ohne Masken und Rollen zeigen?

 

Machen wir uns dann lächerlich?

 

Stell dir mal Mitarbeiter und Führungskräfte vor, die den Mut haben, zu sagen, was sie wirklich bewegt, berührt und antreibt.

 

Würde das etwas zum Positiven verändern? Oder auf Ablehnung stoßen?

 

Ich kenne die Antworten auf diese Fragen nicht. Und ich weiß, dass das sehr viel von den Menschen verlangt. Schließlich braucht es dafür zwei Seiten. Einen, der den Mut hat sich zu zeigen und den Zuhörer, der das Gesagte offen und empathisch nehmen kann, ohne sich angegriffen zu fühlen. Beides ist in der Arbeitswelt schwer vorstellbar.

 

Und trotzdem glaube ich, dass es etwas verändern würde. Mitarbeiter und Führungskräfte, die von Herzen sprechen. Ein schöner Gedanke.

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