Gibt es ein Leben vor dem Tod?

 

Was ist die Essenz des Lebens?

Diese Frage beschäftigt mich seitdem ich denken kann. Von klein auf wurde ich mit der Endgültigkeit konfrontiert. Mein Vater starb als ich fünf war und von diesem Zeitpunkt an gingen in regelmäßigen Abständen nähere und fernere Verwandte.

 

So war mein Ziel relativ schnell klar. Ich will ewig leben. Gut, das war vielleicht etwas hoch gegriffen, aber zumindest wollte ich alt werden, sehr alt.
Und es sollte etwas von mir bleiben, es wäre doch ewig schade um meine guten Gene. Kinder in die Welt setzen und ihnen einen ansehnlichen Besitz hinterlassen, so würde zumindest ein Teil von mir weiterleben. So sah mein Plan aus, sollte die Medizin nicht doch noch irgendeine Wunderpille aus dem Hut zaubern.

 

Ein Bericht über Nahtoderlebnisse änderte meine Sicht. Es war nicht das „was“ diese Menschen berichteten. Es war das „WIE“. Die Art und Weise und das Glänzen in ihren Augen. Scheinbar hatte sie etwas unendlich Tiefes berührt. Für viele war diese Erfahrung so einschneidend, dass sie sich und ihr Leben von Grund auf änderten. Die Begegnung mit dem Tod hatte ihnen ein neues Leben geschenkt und die Erkenntnis, dass ein Teil in uns nicht sterben kann.

 

Wow, ich wurde neugierig...

 

Mittlerweile ist das 15 Jahre her.

 

Heute habe ich mit dem „Tod“ Frieden geschlossen. Und ich würde ihn sogar als Freund bezeichnen. Vielleicht nicht als Besten, aber als einen der mir wertvolle Dinge über das Leben erzählt.

 

Manchmal, wenn die Alltagssorgen so groß scheinen meint er:
Hey Christian, nimms nicht so schwer, aus meiner Sicht sind das alles Kleinigkeiten.

 

Manchmal, wenn ich Angst vor dem nächsten Schritt habe, runzelt er die Stirn und meint etwas grantig:
Hey du, das was Menschen am meisten bereuen, kurz bevor sie zu mir kommen, ist nicht mutig genug gewesen zu sein. Also, scheiß dich bitte nicht an.

 

Manchmal, wenn ich wichtige Dinge aufschiebe, flüstert er mir zu:
Hey mein Freund, tu was, heute könnte dein letzter Tag sein.

 

Und manchmal, wenn ich nach dem Sinn des Lebens frage, lächelt er verschmilzt und sagt:
Schließe deine Augen und entdecke die Unendlichkeit in dir.

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